Die Grundlagen des Rugby Union (15er Rugby)

Spielfläche

Die Spielfläche umfasst das Spielfeld (nicht mehr als 100 Meter lang und nicht breiter als 69 Meter) und die beiden Malfelder. Auf den Mallinien stehen Tore (goals), deren Pfosten 5,60 Meter voneinander entfernt sind. Die Querlatte befindet sich in drei Meter Höhe.

Ball

Rugby wird mit einem ovalen Ball (28 - 30 cm lang, 400 - 440 g schwer, Umfang 58 - 62 cm) gespielt. Er ist deshalb oval, weil er von den Spielern beim Laufen besser getragen werden kann als ein runder Ball.

Spieldauer

Ein Rugbyspiel Erwachsener dauert 2 x 40 Minuten. Die Pause zwischen den beiden Halbzeiten ist auf fünf Minuten festgelegt. Während dieser Erfrischungspause verlassen die Mannschaften regelmäßig das Spielfeld nicht.

Mannschaft

Eine Mannschaft besteht grundsätzlich aus 15 Spielern. Sie setzt sich zusammen aus dem Sturm (8 Spieler, engl. Forwards) und der Hintermannschaft (7 Spieler, engl. Backs).

Der Sturm besteht aus drei Reihen.

Die Erste-Reihe Stürmer (engl. props) tragen die Rückennummern eins und drei. Es sind meistens untersetzte Spieler, die häufig mehr als 100 kg wiegen. Sie stehen im angeordneten Gedränge ganz vorn.

Mit der Rückennummer zwei spielt der Hakler (engl. hooker). Auch er ist meist ein untersetzter, schwerer Spieler, der beim angeordneten Gedränge mit in der ersten Sturmreihe steht und dort die Aufgabe der Balleroberung übernimmt. Darüber hinaus wirft er bei der Gasse den Ball ein.

Die Nummern vier und fünf sind für die beiden Zweite-Reihe-Stürmer (engl. locks) vorgesehen. Im angeordneten Gedränge folgen sie - wie es ihre Bezeichnung schon aussagt - der ersten Reihe. Sie sind meist die größten und kräftigsten Spieler der Mannschaft.

Die Nummern sechs und sieben tragen die äußeren Spieler der dritten Sturmreihe (engl. flanker). Ihnen obliegt neben Verteidigungsaufgaben überall auf dem Spielfeld die schnelle Balleroberung und Unterstützung des Angriffs.

Auf dem Trikot des mittleren Spielers der dritten Sturmreihe (engl. number eight) befindet sich die Nummer acht. Er nimmt in der Mannschaft eine äußerst wichtige Position ein. Unter anderem stabilisiert er nicht nur das Gedränge sondern nimmt auch im Angriff eine wichtige Position ein.

Der Spieler mit der Nummer 9 (engl. scrum half) nimmt eine der Schlüsselpositionen im Rugby ein. Er ist das Verbindungsglied zwischen Sturm und Hintermannschaft. Nach dem angeordneten Gedränge kommt er als erster mit dem Ball in Berührung und passt ihn zu den Dreiviertel-Spielern. Der Gedrängehalb ist oft ein recht kleiner, aber wendiger Spieler.

Die zweite Schlüsselposition nimmt der sogenannte Verbinder (engl. fly half) mit der Nummer zehn ein. Er trifft alle spielstrategischen Entscheidungen, lenkt das Spiel und übernimmt oft die Kicks zu den Goalstangen. Er ist der Spielmacher des Teams.

Bei den Dreiviertelspielern mit den Rückennummern elf bis vierzehn unterscheidet man zwischen den Innen- und Außendreivierteln. Die Innendreiviertel (zwölf und dreizehn, engl. center) sind gleichermaßen zuständig für die Durchführung der Angriffszüge und die ersten Verteidigungsschritte bei Ballbesitz des Gegners. Die äußeren Spieler der Dreiviertelreihe mit den Rückennummern elf und vierzehn (engl. winger) sind äußerst schnelle Spieler. Sie legen im allgemeinen viele Versuche.

Mit der Nummer 15 spielt der Schlussmann (engl. fullback). Er ist der letzte Mann in einer Mannschaft. Ihm obliegt unter anderem gegnerische Kicks abzufangen und durchgebrochene gegnerische Spieler zu tackeln. Als freier Mann ist er auch nach vorne stürmender Spieler bei Angriffen seines Teams.

Deutlich wird, dass beim Rugby für jede Statur und individuelle Fähigkeit eine Position existiert.

Das Spiel

Ziel des Rugbyspiels ist es, dass ein Spieler den Ball im gegnerischen Malfeld niederlegt (Versuch, engl. try). Die entscheidendste Regel im Rugbysport besagt, dass der Ball ausschließlich nach hinten geworfen werden darf. Wird der Ball nach vorne gepasst oder fällt er versehentlich nach vorne, stellt dies einen Regelverstoß dar.

Der Ball darf mit dem Fuß nach vorne gekickt werden, jedoch  darf ihn nur der kickende Spieler selbst oder ein Mitspieler, der sich zum Zeitpunkt des Tritts hinter dem Kicker befindet, den Ball fangen.

Nicht der Ball sondern die Spieler müssen somit den Raum überwinden.

Raumgewinn kann deshalb nur auf vier verschiedene Arten erreicht werden:
-durch Überlaufen des Gegenspielers möglicherweise durch Körpertäuschung (sidestep)
-durch einen kleinen Kick über den Gegner und Nachlaufen des Balltreters
-dadurch, dass die angreifende Mannschaft versucht, durch Passen schräg nach hinten der gegnerischen Verteidigung auszuweichen und somit durch den Lauf des Balles über mehrere Stationen Raum zu gewinnen
-dadurch, dass mehrere Spieler einander festhalten und versuchen, den Gegner in Richtung seines eigenen Malfeldes zu drücken
Um den Raumgewinn eines Gegenspielers zu verhindern, gibt es nur die Möglichkeit des Tiefhaltens, des sogenannten "tacklings". Jede andere Art, den Gegner zu stoppen, wie Beinstellen, Schlagen oder Halten am Hals, ist verboten. Attackiert werden darf ausschließlich der balltragende Spieler.

Erfolge und Zählweise

Das höchste Ziel, das eine Rugbymannschaft anstrebt, ist, den Ball in das Malfeld des Gegners zu tragen und dort niederzulegen. Diesen Erfolg nennt man Versuch (engl. try), der fünf Punkte einbringt. Die Mannschaft, die den Versuch gelegt hat, kann zusätzlich versuchen, den Ball zwischen die Malstangen und über die Querlatte zu treten. Einen solchen Kick bezeichnet man als Erhöhung (engl. conversion). Erfolgreich ausgeführt zählt er zwei Punkte.

Nach einem schwerwiegenden Regelverstoß wird ein Straftritt (engl. penalty kick) verhängt. Dieser darf entweder zum Angriff, zum Raumgewinn oder aber wie bei der Erhöhung zu einem Tritt zu den Goalstangen genutzt werden. Bei Erfolg erhält die Mannschaft drei Punkte.

Aus dem laufenden Spiel heraus darf jeder Spieler den Ball mit einem Sprungtritt (engl. drop kick) ins Goal treten. Dabei muss der Ball zuerst den Boden und dann den Fuß des Spielers berühren. Gelingt dieser schwierige Tritt, wird die erfolgreiche Mannschaft mit drei Punkten belohnt.

Beim Rugby zählen somit

- der Versuch 5 Punkte

- die erfolgreiche Erhöhung 2 Punkte

- der Straftritt 3 Punkte

- der Sprungtritt 3 Punkte

Standardsituationen

Das angeordnete Gedränge (engl. scrum) ist die für das Rugbyspiel typischste Spielsituation. Wer an Rugby denkt, hat dabei sicherlich das aus sechzehn Spielern (die acht Stürmer beider Mannschaften) bestehende Menschenknäuel vor Augen. Es wird nach leichten Regelverstößen angeordnet (z.B. Vorwärtspass).

Die acht forwards formierensich in drei Reihen (vgl. Mannschaftsbeschreibung), der scrum half wirft den Ball in den freien Raum zwischen den beiden ersten Reihen ein. Durch Kraft und Technik wird nun versucht den gegnerischen Sturm wegzuschieben. Gleichzeitig darf der hooker den Ball mit den Füßen den Ball nach hinten bringen. Kommt der Ball hinter der dritten Sturmreihe wieder heraus,  nimmt der Gedrängehalb den Ball auf und versucht, ihn nutzbringend in seine Hintermannschaft zu passen.

 

Ebenso typisch wie das Gedränge ist die Gasse (engl. line-out). Wie bei anderen Sportarten auch, wird das Spiel unterbrochen, wenn sich der Ball im Seitenaus befindet. Die Partie wird mit einem line-out fortgesetzt.

Die Stürmer einer Mannschaft (mindestens zwei, maximal sieben) stellen sich in einer geraden Linie auf. Die gegnerischen forwards stellen sich einen Meter entfernt mit der gleichen Anzahl an Spielern ebenso gerade auf. Der Hooker wirft nun den Ball gerade zwischen die beiden lines ein. Durch taktisches Hochheben (liften) eines oder mehrerer Spieler wird so versucht, den Ball zu fangen, um ihn dann gewinnbringend weiter zu verarbeiten.

Geschichte und Entwicklung

Der Legende nach soll der Sport während eines Fußballspiels in der Stadt Rugby entstanden sein. Als der Mannschaft von William Webb Ellis 1823 eine Niederlage bevorstand, packte dieser den Ball mit den Händen und legte ihn ins Tor des Gegners. Obwohl berechtigte Zweifel am Wahrheitsgehalt der Geschichte bestehen, ist heute der Pokal der Rugby-Union-Weltmeisterschaft nach William Webb Ellis benannt.

1895 erfolgte aufgrund eines Streits über den Amateurgedanken eine Trennung des Sports innerhalb des bereits bestehenden Verbandes. 21 Vereine, vor allem aus Arbeitervierteln Nordenglands, spalteten sich ab, legten ihre eigenen Regeln fest und erlaubten die Professiona- lisierung des Sports. Aus den veränderten Regeln entwickelte sich die Variante Rugby League (13er Rugby).

Die restlichen Vereine spielten weiter nach den bestehenden Regeln, bis heute nennt man diese Variante Rugby Union (15er Rugby).

Beide Varianten existieren bis heute nebeneinander. Internationale Begegnungen von Nationalmannschaften werden sowohl nach den Regeln des Rugby Union wie auch nach denen des Rugby League abgehalten. Erst seit 1995 sind im Rugby Union ebenfalls Profisportler zugelassen.

Während Rugby League hauptsächlich in England, Australien und Neuseeland gespielt wird, hat sich Rugby Union als weltweit drittpopulärste Sportart nach Fußball und Cricket etabliert. Die Rugby-Union-Weltmeisterschaften gelten nach den olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft als größte Sportveranstaltung.

Führende Nationen im Rugby-Union sind Neuseeland, Australien, Südafrika und Argentinien in der südlichen Hemisphäre sowie Frankreich, England, Wales, Irland, Schottland und Italien in Europa. Auch in den ozeanischen Ländern Fidschi, Samoa und Tonga ist Rugby Nationalsport. Neben diesen Ländern nehmen Japan, die USA, Rumänien, Namibia, Kanada, Georgien und Spanien regelmäßig an den Rugby-Union-Weltmeisterschaften teil und verfügen über eine ausgeprägte Rugbykultur. Amtierender Weltmeister ist Neuseeland.

Neben der klassischen Variante mit 15 Spielern gibt es das 7er Rugby, welches mit 7 Feldspielern bei einer Spielzeit von 2 x 7 Minuten die schnellste Variation des Rugbysports darstellt. Ab 2016 wird 7er Rugby olympische Sportart sein (15er Rugby war bereits von 1900 – 1924 olympisch).

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gilt Rugby noch als Randsportart, erfreut sich jedoch zunehmender Beliebtheit. Vor allem in Bayern kann auf eine rasante Entwicklung in den letzten 10 Jahren zurückgeblickt werden.

In Deutschland gibt es heute ca. 120 Vereine mit über 13.000 Mitgliedern in den verschiedenen Bundes- und Landesligen.

Der RFC Bad Reichenhall war bis 2007 ausschließlich im 7er Rugby aktiv, seit 2008 jedoch wird im Ligabetrieb 15er Rugby gespielt, an 7er Turnieren (bayerische Meisterschaften) nimmt der Verein jedoch weiterhin einmal jährlich teil.

Aus dem Kader des RFC Bad Reichenhall sind bis heute acht Spieler in die deutsche Rugby League Nationalmannschaft berufen worden, weitere sechs in die österreichische Rugby League Nationalmannschaft, ein Spieler ist in der österreichischen Rugby Union Nationalmannschaft aktiv.

Die Damenmannschaft des RFC Bad Reichenhall e.V. spielt aktuell die 7er Variante des Sports.