Historie
Wir schreiben das Jahr 1823. In der englischen Stadt "Rugby" spielen einige Schüler (Fuß)ball auf der Straße. In einem wilden Gedränge versucht jeder der Jungs trotz kräftiger Schienbeintritte und Gezerre den Ball für sich zu gewinnen. Da wirft sich Webb Ellis ins Gedränge, schnappt sich den Ball mit beiden Händen und rast los in Richtung des gegnerischen Tors. Der Rest der Meute versucht sofort, Webb Ellis einzuholen. Jedoch ist es ihnen nicht mehr möglich, ihn zu stoppen, da die Jungs aus Ellis Team unter vollstem Körpereinsatz ihm den Weg frei- und die Gegner vom Leib halten. Dieses war die Geburtsstunde des Rugbyspiels, benannt nach der Stadt, wo es erstmals gespielt wurde.
Kampfspiele um einen Ball sind aus dem alten China und von den Römern und Griechen schon aus vorchristlicher Zeit bekannt. Wahrscheinlich durch die Römer angeregt, schlossen sich in Gallien und England "Männermannschaften" aus Dorfgemeinschaften zusammen und spielten gegeneinander Ball. Als Tore nutzte man oftmals Stadttore. Als Spielfeld wurden Gassen und Straßen genützt. Die Spiele endeten meist in wüsten Raufereien, die auch von einfachen Regularien nicht verhindert werden konnten.
Die Regeln des Rugbyspiels stammen von 1875, das Spiel ist in Großbritannien, in den Commonwealth-Staaten und in Europa verbreitet, wird an Schulen, Universitäten und in Vereinen gespielt. In Deutschland wird Rugby seit der Gründung des Heidelberger Ruderklubs 1872 in Vereinen gespielt. Der Deutsche Rugby-Verband mit zirka 8000 Mitgliedern, der jährlich nationale Meisterschaften veranstaltet, wurde 1900 gegründet. Es gibt Europameisterschaften ohne Beteiligung der vier angelsächsischen Ländermannschaften aus England, Wales, Schottland und Irland; die tragen jährlich ein Sechs-Nationen-Turnier (mit Frankreich und Italien) aus. Rugby-Weltmeisterschaften gibt es seit 1987 alle vier Jahre. Bei der Olympiade 2000 in Sydney wird Rugby wieder vertreten sein. Bis1924 stand die Sportart viermal im olympischen Programm.
Das Spielfeld: Rugby hat, grob gesagt, dem amerikanischen Football Pate gestanden. Das Kampfspiel zwischen zwei Mannschaften mit je 15 Spielern wird auf einem Rasenplatz von rund 100 Meter Länge und 65 Meter Breite ausgetragen. An den Enden der beiden Spielfeldhälften stehen torähnliche Male, bestehend aus zwei im Abstand von 5,60 Meter aufgestellten Malstangen und einer 3 Meter hohen Querlatte. Hinter den Malen liegt ein mehrere Meter langes Malfeld, das aber nicht zum eigentlichen Spielfeld gerechnet wird. Das Spielfeld ist durch eine Mittellinie geteilt, hinter der sich zu beiden Seiten 10-Meter-Linien und 22-Meter-Linien befinden. Die jeweils gegnerische 10-Meter-Linie muß nach Antritt eines Balles von der Mittellinie aus erreicht werden. Von der 22-Meter-Linie wird der Antritt nach einem Handauf ausgeführt. Das Handauf ist ein erlaubter Spielzug der verteidigenden Mannschaft, bei dem der Spieler den Ball im Malfeld ablegt, um einen gegnerischen Versuch zu vereiteln. Die angespielte Mannschaft muß jeweils hinter der 10- oder 22-Meter-Linie abwarten, bis der Ball getreten wurde. Spielgerät ist der eiförmige, luftgefüllte Rugbyball aus Leder oder Kunststoff, etwa 30 Zentimeter lang und mit einem Umfang von 60 Zentimetern. Er wiegt 400 bis 440 Gramm.
Die Spielregeln erlauben, daß der Ball geworfen oder getreten, anschließend gefangen und getragen wird. Zulässig ist es, den Ballträger zu ergreifen und zu Boden zu werfen. Ein gelegter Spieler muß den Ball unverzüglich freigeben oder ihn nach hinten beziehungsweise zur Seite (niemals nach vorn) abwerfen.
Der jeweils erste Ball bei Spielbeginn und nach der Halbzeit wird von der Feldmitte aus angetreten. Beim Frei- oder Straftritt nach Regelwidrigkeiten tritt der Spieler mit dem Hacken eine Delle in den Rasen (Marke), stellt den Ball aufrecht hinein und tritt den Ball aus dieser Stellung mit dem Fuß ins Spiel. Freitritt erhält auch ein Spieler, der einen vom Gegner getretenen Ball auffängt und dabei "Marke" ruft. Neben dem Straftritt kann der Schiedsrichter nach einem Regelverstoß auch ein Gedränge pfeifen. Dabei reihen sich die Stürmer beider Mannschaften geduckt gegenüber auf, der Ball wird zwischen sie auf den Boden geworfen; es folgt eine Art Ringkampf nach speziellen Rugbyvorschriften, mit dem Ziel, daß irgendein Spieler den Ball schließlich mit den Füßen für seine Mannschaft gewinnen kann.
Ein sogenannter Versuch wird erzielt, wenn es gelingt, den Ball ins gegnerische Malfeld zu bringen und dort durch Arme oder Oberkörper auf den Boden zu drücken. Beim erhöhten Versuch darf der Spieler den Ball vom Boden aus (Platztritt) treten oder ihn aus den Händen fallen lassen und aus der Luft heraus treten (Sprungtritt). Dabei versucht der Spieler, mit diesem Tritt einen Treffer zwischen die beiden Torpfosten über die Querlatte hinweg zu erzielen.
Rugby wird in Punkten gewertet. Ein gelungener Tritt über die Querlatte beim erhöhten Versuch zählt 2 Punkte, das Auf-den-Boden-Drücken im Malfeld beim Versuch 5 Punkte. Alle anderen Treffer, auch nach Frei- oder Straftritt, zählen 3 Punkte. Die Spielzeit beträgt zweimal 40 Minuten, dazwischen gibt es nur 5 Minuten Pause.



